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Mehr als nur Bücher – digitale Lernmittelfreiheit

Die Jungen Liberalen Hessen fordern die Lernmittelfreiheit auch auf digitale Anwendungen, wie Lernprogramme oder Apps zu übertragen. Das Land Hessen soll dementsprechend die dafür erforderlichen Lizenzen erwerben.

Um die Eigenständigkeit der Schule zu fördern, soll jede Schule selber entscheiden dürfen, welche Programme sie verwendet. Das Land Hessen soll eine Lernplattform bereitstellen, aus der die Schulen die für sich benötigten Programme auswählen können. Neben der Anwendung im Unterricht, können mobile Anwendungen auch einen Mehrwert für den Informationsfluss zwischen Schule, Schülern und Eltern bieten und sollen daher flächendeckend gefördert werden. Jedoch besteht im Gegenzug die Verpflichtung eine jährliche Evaluation durchzuführen, ob die Programme den Unterricht weiterbringen.

Digitales Klassenbuch für Hessen

Die Jungen Liberalen Hessen fordern die Einführung digitaler Klassenbücher für Hessen. Nach dem Vorbild Niedersachsens sollen an hessischen Schulen wie auch in der Bildungsverwaltung generell alle Voraussetzungen geschaffen werden, um den Einsatz zu ermöglichen.

Vor allem eine Anpassung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen ist hierfür erforderlich.

Landtagswahlprogramm 2018

Von Heppenheim bis Kassel, von Limburg bis Fulda – Hessen ist in allen Himmelsrichtungen lebens- und liebenswert. Wir Junge Liberale möchten Politik für alle Bürger unseres Bundeslandes gestalten. Dabei wollen wir die Möglichkeiten und Potenziale sowohl der Ballungszentren als auch der ländlichen Regionen ausschöpfen, die Hessens Facettenreichtum erst zusammen ausmachen.

Die Jungen Liberalen setzen sich für eine nach vorne gewandte Politik ein, die Lösungen sucht, Reformen angeht und nicht im Stillstand verharrt.  Mit starken Bürgerrechten als Leitlinie und unseren Ideen für die Landespolitik wollen wir Hessen 2018 ein Update verpassen. Nur mit individuellen Bildungskonzepten, einer zukunftsfähigen Wirtschaft, einer modernen Infrastruktur und besonnenen Reformen in der Innenpolitik wird Hessen nicht nur deutschlandweit sondern international vorne liegen.

2018 hat Hessen die Wahl: Mit diesem Programm wollen wir Dir eine geben!

Bildung

Bildung steht für die Jungen Liberalen Hessen im Zentrum einer zukunftsgewandten Politik und ist das Fundament für Chancengerechtigkeit. Bildung beginnt für uns in der Kita, geht über die Grund- und weiterführende Schule, die Ausbildung oder das Studium bis hin ins spätere Berufsleben und ins Alter – wir nehmen uns Bildung in allen Lebenslagen an. Wir wollen, dass jedes Kind, unterstützt durch sinnvolle Rahmenbedingungen, neue digitale Möglichkeiten und hohe Durchlässigkeit im Bildungssystem, seinen individuellen Weg gehen kann.

Für die frühkindliche Bildung fordern wir:

1. Gerechte Chancen beginnen in der KiTa: Damit alle Kinder mit den gleichen Voraussetzungen in die Grundschule starten, fordern wir die Einführung von Tests zu Beginn des vierten und fünften Lebensjahres jedes Kindes. Hierbei soll der Entwicklungsstand der Kinder sowohl auf motorische und kognitive Fähigkeiten sowie ausreichende Sprachkenntnisse und soziale Kompetenzen überprüft werden. Sollten hierbei Defizite vorliegen, tritt für das Kind eine Pflicht zum Besuch eines Kindergartens inklusive gezielter individueller Förderung ein. Es ist zunächst Aufgabe, den Erzieherberuf wieder attraktiv zu machen und mehr Männer in diesen zu integrieren. Eine angemessene Umgestaltung der Ausbildungskosten sowie eine Erhöhung des Einstiegsgehaltes wären der erste Schritt, damit ein solches Fundament geschaffen werden kann.

2. KiTa around the clock: Für viele Eltern in Nacht- oder Schichtarbeit sind die gängigen Öffnungszeiten von Kindertagesstätten nicht kompatibel mit ihrem Arbeitsleben. Hierfür müssen zeitlich flexiblere Angebote der Kinderbetreuung Optionen für alle Berufsgruppen bieten. Schon heute können selbst Arbeitstätige mit einem 9 to 5 – Jobs keiner hundertprozentigen Beschäftigung nachgehen. Wir setzen uns für den breiteren Ausbau und die Förderung von Betriebskindergärten, auch und insbesondere bei kleinen und mittelständigen Unternehmen, ein.

3. KiTa-Gebühren: Die Jungen Liberalen Hessen stellen die Qualität der Betreuung in den Kindertagesstätten in den Mittelpunkt, und sehen die vollständige Kostenfreiheit einer Ganztagesbetreuung als mittelfristig erstrebenswertes Ziel an. Qualität kostet und wir sollten nicht an den falschen Stellen sparen. Eine mittelfristig erstrebenswerte Kostenfreiheit ist daher sinnig, da so die Kosten nicht ausschließlich durch die Steuern gedeckt werden, wonach ein steuerlicher Nachteil wegfallen würde. Ebenso kann dadurch verhindert werden, dass auf einen Erzieher größere Kindergruppen fallen, wenn die KiTa gebührenlos wäre. Der zu zahlende Beitrag kommt somit auch den Erziehern in mehreren Aspekten zu Gute, was sich auch auf die Qualität der KiTa auswirken kann.

Für die Schulen fordern wir:

1. Selbstständige Schule: Die Jungen Liberalen Hessen fordern, Schulen innerhalb des staatlichen Rahmens größtmögliche Gestaltungsfreiheit zu geben. Durch die finanzielle, personelle, organisatorische sowie pädagogische Selbstverwaltung können Schulen eigenständig auf Bedürfnisse von Schülern, Lehrern und Eltern reagieren und individuelle Schwerpunkte im Schulbetrieb setzen.

2. Kooperationsgebot statt Kooperationsverbot: Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für ein Kooperationsgebot von Bund und Ländern in der Bildung ein. Hierdurch sollen zum einen finanzielle Investitionen aus Bundesmitteln ermöglicht werden. Zum anderen müssen Schulabschlussprüfungen deutschlandweit vergleichbar werden, um Bildungsniveaus nach Abschlüssen bundesweit gegenüberstellen zu können.

3. Du bestimmst dein Tempo: Die Jungen Liberalen Hessen befürworten die Wahlfreiheit der Schulen zwischen G8 und G9. Jeder Abiturient soll selbst bestimmen, wie viel Zeit er sich für den Abschluss nehmen möchte, und die Argumente für beide Seiten selbst abwiegen können.

4. Hauptschulabschluss praktisch stärken: Nicht zuletzt durch die steigenden Abiturientenzahlen haben Hauptschulen eine Abwertung erfahren, der durch neue Zielsetzungen und Lehrinhalte entgegengewirkt werden muss. Dementsprechend sollen Hauptschulen ein Fächerprofil aufbauen, das neben dem üblichen Allgemeinwissen auch gezielte Fähigkeiten für handwerkliche Berufe ausbildet. So wird im Ausbildungsprofil ein Vorteil gegenüber anderen Schulformen erzielt und ein neuer sinnvoller Platz für diese Schulform etabliert.

5. Schulvielfalt: Die JuLis Hessen verteidigen die Schulvielfalt. Statt einer Einheitsschule für alle muss es die Wahlfreiheit zwischen unterschiedlichen Schulformen geben. Das Gymnasium muss hierbei unbedingt erhalten bleiben. Wir JuLis treten für ein breites Angebot an Schultypen ein: Nur so ist gewährleistet, dass jeder Schüler optimal gefördert werden kann. Darüber hinaus sollen Schulen in freier Trägerschaft gleichgestellt werden. Die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Schulformen sind essentiell und Voraussetzung für das Funktionieren des mehrgliedrigen Schulsystems, diese ist auch in Hessen weiter zu stärken.

6. Ganztagsschule und -Betreuung: Wir setzen uns für den Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen, insbesondere an Grundschulen, ein. Die freiwilligen Angebote sollen vor allem durch Kooperation mit örtlichen Sportvereinen, Musikschulen und anderen Vereinen ermöglicht werden. Bis zum Jahre 2023, soll in ganz Hessen die Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr an jeder Schule ermöglicht werden

7. Lerchen sind nicht die besseren Vögel:  Die Jungen Liberalen Hessen fordern eine Flexibilisierung der Schulanfangszeiten ab der Mittelstufe, die eine bessere Anpassung der Lehrzeiten an den Biorhythmus der Schüler ermöglichen können. Hierbei sollen keine zentralen Regelungen vorgeschrieben werden, sondern Schulen im Zuge der selbstständigen Schule ihr Verfahren bestimmen.

8. Schulsozialarbeit: Die Jungen Liberalen Hessen sehen  den Ausbau der Schulsozialarbeit als ein wichtiges Standbein für ein gutes Schulklima und dem Erlernen von sozialen Kompetenzen. Damit werden auch Lehrer entlastet, die sich ihren Hauptaufgaben – der Wissensvermittlung – widmen sollen. Die Schulsozialarbeit soll jeweils zu einem Drittel von Kommune, Kreis und Land finanziert werden.

9. Inklusion: Die Inklusion in Hessen hat in der Vergangenheit viele Regelschulen überfordert. Schüler mit geistiger oder körperlicher Behinderung sollen die  Möglichkeit haben, sowohl Regelschulen als auch Förderschulen besuchen zu können. In Regelschulen sollen sie individuell und mit besonderem Unterstützungsbedarf gefördert werden. Für Schüler mit körperlicher Behinderung kommt hierbei auch der Barrierefreiheit eine große Rolle zu. Gleichermaßen gehören Förderschulen für uns zu einem ausgewogenen Schulangebot, das vielen Schülern eine optimale Betreuung und individuellere Lernkonzepte ermöglichen kann.

10. Wenn ich groß bin…: Die Vorbereitung von Schülern auf die zukünftige Ausbildungs- und Studienwahl ist unzureichend. Um dem entgegenzutreten soll im Gymnasium ab der Oberstufe und in den anderen Schulformen ab der Mittelstufe eine monatlich stattfindende freiwillige Berufs-AG in Kooperationen mit der Agentur für Arbeit sowie örtlichen Ausbildungsbetrieben und Hochschulen angeboten werden. Dies ermöglicht eine regelmäßige Beschäftigung mit unterschiedlichen Berufsgruppen und eine stetige Präsenz des Themas Beruf vor dem Abschluss.

11. Geeks ausbilden: Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für die Aufnahme des Informatikunterrichts in den mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächerkanon ein. Dabei soll Informatik als Pflichtfach für mindestens ein Jahr angeboten werden und insbesondere Grundkenntnisse einer aktuellen Programmiersprache vermittelt werden. In der Oberstufe soll eine deutliche Ausweitung der Möglichkeiten von Informatik als Wahl- und Leistungskursfach erfolgen.

12. Sprachunterricht überdenken: Latein ist für uns nach wie vor ein Mittel, um Geschichte und sprachliche Konstruktionen zu verstehen. Deswegen setzen wir uns für die Beibehaltung von Latein als Pflichtauswahlmöglichkeit neben Französisch für die zweite Fremdsprache ein. Nichtsdestotrotz sollen Schulen selbstbestimmt weitere Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch als zweite Fremdsprache anbieten können.

Für die Digitalisierungsoffensive an Schulen fordern wir:

1. Digitalisierungsbudget: Um in ganz Hessen einen gleichmäßigen Ausbau der digitalen Möglichkeiten zu gewährleisten, muss das Land ein Digitalisierungsbudget für Schulen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sind die Schulträger und das Kultusministerium verpflichtet, einen Medienentwicklungsplan sowie ein dazugehöriges Fortbildungskonzept vorzulegen. Die Gelder sind zweckgebunden für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu nutzen.

2. Digital selbstständig: Im Zuge der Selbständigkeit der Schule sollen diese selber entscheiden dürfen, welche Plattform, z.B. Tablet, Smartboard oder interaktiver Beamer, für ihre Belange am besten geeignet ist. Eine Ausstattung mit Tablets bringt allerdings nichts, wenn nicht gleichzeitig auch für eine vernünftige WLAN Anbindung gesorgt ist, weshalb diese ausgeweitet werden soll.

3. Früh übt sich, wer ein Zuckerberg werden will: Um die Medienkompetenz auch in jüngeren Jahrgängen zu gewährleisten, muss eine sukzessive Steigerung digitaler Lernmittel erfolgen, sofern diese sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden können. Bereits ab der ersten Klasse wird somit der Umgang mit digitalen Medien geschult. Nach der vierten Klasse soll ein grundsätzliches Medienverständnis vorhanden sein. Im Zuge dessen ist der Erhalt eines Digitalführerscheins, mit dem der sichere Umgang mit digitalen Medien bescheinigt wird, vorgesehen.

4. IT-Beauftragter: Um dem Lehrerkollegium neue Lernprogramme näher zu bringen und diese bei der Anwendung zu unterstützen, fordern wir die Schaffung eines IT-Beauftragten an Schulen, welcher möglichst intern besetzt werden soll. Um der Tätigkeit als IT-Beauftragter gerecht zu werden, soll die betreffende Lehrkraft eine ausreichende Stundenreduzierung erhalten.

5. Lehrer 4.0: Damit Lehrer im Bereich der digitalen Medien mit ihren Schülern mithalten können, fordern die Jungen Liberalen Hessen, dass Lehrer einmal im Jahr verpflichtend eine Schulung zum Thema Digitalisierung besuchen.

Für die weiterführende Bildung fordern wir:

1. Elternunabhängiges BAföG: Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für ein eltern- und einkommensunabhängiges Bafög ein, um ein Studium unabhängig von der familiären Situation zu ermöglichen. Aus Sicht der Jungen Liberalen sollte die Förderung aus einem Zuschuss in Höhe von 500 Euro sowie einem Darlehensangebot bestehen. Die Refinanzierung des Zuschusses erfolgt über die Verlagerung von Vergünstigungen und Leistungen der Eltern hinzu den Schülern und Studierenden. Auszubildende sollen denselben Anspruch haben, sofern ihr Ausbildungsgehalt nicht zum Leben ausreicht.

2. Nachgelagerte Studiengebühren: Studiengebühren aber nachgelagert. Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich für nachgelagerte Studiengebühren aus. Die Höhe dieser bestimmen die Universitäten selbst. Die erhobenen Gebühren kommen ausschließlich der akademischen Lehre der jeweiligen Universität zu gute. Die nachgelagerten Studiengebühren werden unter Berücksichtigung eines Grundfreibetrags an die Einkommenshöhe gekoppelt. Dadurch hat jeder junge Mensch die Möglichkeit, ein qualitativ hochwertiges Hochschulstudium zu absolvieren.

3. Hochschulsponsoring: Wir sprechen uns für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft aus. Das finanzielle Engagement von Unternehmen trägt nicht nur zur besseren finanziellen Ausstattung von Hochschulen bei, sondern ermöglicht Studierenden auch Kontakte zu Unternehmen und Einblicke in die Berufspraxis.

4. Keine Pflicht zur verfassten Studierendenschaft: Wir fordern das Ende der Pflicht zur verfassten Studierendenschaft. Jeder Student hat zu Beginn jeden Semesters die Möglichkeit, sich in die Studierendenschaft einzuschreiben oder auszutreten. Nicht-Mitglieder sind weder berechtigt zur Teilnahme an den Hochschulwahlen noch dürfen von ihnen Beiträge erhoben werden.

5. Stärkung der Ausbildung: Für die Jungen Liberalen Hessen ist ein Meister so viel wert wie ein Master. Eine Ausbildung steht einem Studium in nichts nach und die zunehmende Akademisierung von bewährten Ausbildungsberufen kritisieren wir. Obwohl das duale Ausbildungsmodell weltweit Anerkennung und Nachahmer findet, büßt es in Deutschland Attraktivität bei Absolventen ein und muss deshalb als Option auch für Gymnasiasten präsenter werden. Nichtsdestotrotz dürfen bestimmte Ausbildungsberufe nicht generell vor Realschülern verschlossen werden.

6. Bildung ist Standortfaktor: Wir sprechen uns für eine ausbildungsplatznahe Beschulung in so vielen Ausbildungsberufen wie sinnvoll nötig aus. In Berufssparten mit landes- oder bundesweit wenigen Auszubildenden können Blockunterrichtphasen durch digitale Lernangebote ergänzt werden. Gleiches gilt für den Erhalt und Ausbau dualer Studienangebote.

7. Freiwilliges Jahr in der Landwirtschaft: Die Jungen Liberalen Hessen fordern die Einführung eines „Freiwilligen Landwirtschaftlichen Jahres“(FLJ) analog zu den bereits bestehenden Modellen von FSJ, FPJ und FÖJ. Mit dem Freiwilligen Landwirtschaftlichen Jahr wird jungen Menschen die Möglichkeit gegeben, Einblicke in landwirtschaftliche Arbeitsprozesse zu gewinnen und ihr Bewusstsein für die Produktion von Lebensmitteln zu erweitern. Das FLJ könnte darüber hinaus der zunehmenden Entfremdung der Bevölkerung von der Landwirtschaft entgegenwirken. Im Dialog über die Zukunft des Agrarsektors würde diese Maßnahme auf einen Austausch statt auf die Verhärtung der Fronten setzen. Als Träger der Maßnahmen können Bauernverbände, Maschinenringe und Agrarunternehmen eingebunden werden.

Wirtschaft, Infrastruktur und Energie

Hessen stellt mit der Finanzmetropole Frankfurt, dem Hauptsitz vieler internationaler Unternehmen und Hidden Champions im ganzen Landesgebiet einen der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Europas dar. Die wachsenden Anforderungen durch die Digitalisierung sowie die großen Chancen durch den Brexit schaffen Herausforderungen, die insbesondere in der nächsten Wahlperiode relevant werden. Gleichzeitig kann Hessen nur durch sinnvolle Infrastrukturkonzepte bestehen, die Investitions-, Verkehrs- und Datenstaus abbauen.

Für Wirtschaft und Energie fordern wir:

1. Von Brexit zu Hello Frankfurt: Die Jungen Liberalen Hessen unterstützen ausdrücklich die Bestrebungen, Frankfurt als führenden Finanzplatz innerhalb der EU zu stärken, insbesondere nach dem Brexit. Der Staat steht hierbei in der Pflicht, bürokratische Hürden abzubauen und die entsprechende Infrastruktur bereitzustellen, um international Spitzenreiter zu werden.

2. Amazon macht auch nicht zu: Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für flexible Ladenöffnungszeiten ein. Jedes Geschäft soll individuell über seine Öffnungszeiten und -tage entscheiden. Das Arbeitsverbot an Sonn- und Feiertagen ist für uns nicht zeitgemäß. Stattdessen sollen Ladeninhaber frei über ihre Ruhetage entscheiden können. Arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen sind hiervon nicht betroffen.

3. Frankfurter Flughafen – Unser Tor zur Welt: Der Frankfurter Flughafen ist als größter deutscher Flughafen das Drehkreuz zum Rest der Welt, schafft das Fundament für Arbeitsplätze weit über die Region hinaus und ist einer der entscheidenden Motoren der hessischen Wirtschaft. Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich klar für den Fraport aus und unterstützen Maßnahmen zur Stärkung und Erweiterung des Flughafens unter Berücksichtigung der Anwohnerinteressen. Des Weiteren setzen sich die Jungen Liberalen Hessen für eine Abschaffung aller Nachflugeinschränkungen ein.

4. Zukunft für den Kassel Airport: Der Flughafen Kassel ist als zweitgrößter hessischer Flughafen ein wichtiger Verkehrsumschlagsplatz, der sich durch ein stetiges Wachstum an Passagieren entwickelt und die an ihn gerichteten Einsparziele der Landesregierung erreicht. Eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz ist unter diesen Voraussetzungen abzulehnen.

5. Gründerkultur stärken: Die digitale Revolution führt zu einem Boom der Unternehmensgründung und in den letzten Jahren ist ein neues Bewusstsein für Gründerkultur gewachsen. Leider werden vielen Jungunternehmern vom Staat noch zu viele Steine in den Weg gelegt. Zur Entlastung von Unternehmensgründern fordern wir die Abschaffung des Notarzwangs bei der Gründung einer GmbH oder UG sowie die Einführung der IST-Besteuerung bei der Umsatzsteuer. Des Weiteren sprechen wir uns für die Einführung eines Gründer-Bafögs aus, das junger Unternehmen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes im ersten Gründungsjahr beantragen können.

6. Bürokratie vereinfachen: Die Jungen Liberalen fordern kleine und mittelständische Unternehmen in Hessen, die in einer großen Zahl Marktführer sind, von Bürokratie- und Dokumentationspflichten zu entlasten, um dadurch nachhaltige Investitionen freizusetzen. Dies stärkt langfristig den Wirtschaftsstandort Hessen und schafft attraktive Arbeitsplätze in zukunftsweisenden Branchen.

7. Behörden digital verwalten: Um das Leben für alle einfacher zu machen, wollen wir die Behördendigitalisierung voranbringen und Behördengänge sowie -kommunikation online ermöglichen. Notwendige Termine müssen ebenfalls digital vorab reserviert werden können, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Unternehmensgründer müssen in der Verwaltung einen zentralen Ansprechpartner erhalten, mit dem alle notwendigen Belange organisiert werden können.

8. Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer: Die Jungen Liberalen Hessen fordern die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in der IHK sowie der Handwerkskammer für Unternehmen. Wir erkennen die Leistungen der IHK und Handwerkskammer an und halten sie weiterhin für einen wichtigen Teil des Wirtschaftslebens, der insbesondere für das Ausbildungssystem elementar ist. Nichtsdestotrotz belasten Zwangsbeiträge insbesondere kleine und junge Unternehmen, die sich selbstständig für eine Mitgliedschaft entscheiden können sollen.

9. Windkraft in Hessen: Die Jungen Liberalen Hessen befürworten generell den Ausbau neuer Technologien. Im Fall der Windkraft ist ein ideologischer Streit in Hessens Gemeinden ausgebrochen, dem rationale Argumente entgegensetzt werden müssen. Hierfür müssen Kosten-Nutzen-Analysen herangezogen werden sowie Naturschutz und Landschaftsbild betrachtet werden. Nichtsdestotrotz ist Windkraft nicht der Ursprung allen Übels und muss im Rahmen eines zukunftsträchtigen Energiemixes genauso in Betracht gezogen werden.

Für unsere Infrastruktur fordern wir:

1. Breitbrandausbau jetzt: Die Jungen Liberalen Hessen fordern einen verstärkten Ausbau der Glasfaserleitungen in Hessen, um auch ländliche Regionen digital zu stärken. Die digitale Infrastruktur ist ein entscheidender Standortfaktor der die Attraktivität für Privatpersonen und Unternehmen erhöht.

2. Wachse zusammen, was zusammen gehört: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist elementar für die Mobilität vieler Menschen. Für einen effizienteren hessenweiten ÖPNV fordern wir die Zusammenlegung von NVV (Nordhessischer Verkehrsbund) und RMV (Rhein-Main Verkehrsbund) und eine Eingliederung des Landkreises Bergstraße in den neuen Verkehrsverbund, wobei Tarife flexibilisiert und an die Fahrtstrecke angepasst werden sollen. Zudem unterstützen die Jungen Liberalen Hessen den Einsatz von E-Ticket-Systemen.

3. Straßenqualität verbessern: Wir stellen eklatante Mängel an vielen hessischen Straßen und Brücken fest. Hierfür fordern wir entschiedene und zügige Maßnahmen zur Verbesserung der Straßenqualität.

4. Bahnoffensive Hessen: Die Bahn als wichtiger Verkehrsträger wurde in der Vergangenheit stark vernachlässigt. Wir fordern eine Bahnoffensive in Hessen, die die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Regionalbahnen erhöht. Dabei muss die S-Bahn Rhein-Main muss erheblich ausgebaut werden und Neuerungen der Regionaltangente West sowie der nordmainische S-Bahn erfolgen. Außerdem muss Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen den Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar durchgesetzt und die Lücken im Südhessischen S-Bahnnetz geschlossen werden.

5. Schicht-Betrieb auf Autobahnbaustellen: Baustellen auf Bundesautobahnen in Hessen sollen grundsätzlich in Schicht-Betrieben durchgeführt  werden. Das Baustellenmanagement ist zu verbessern, um Bauzeiten zu verkürzen und Verkehrsbehinderungen zu reduzieren.

6. Autonomie auch im Straßenverkehr: Die Jungen Liberalen Hessen fordern, Nordhessen als Modellregion für autonomes Fahren freizugeben.

Innenpolitik

Die Jungen Liberalen Hessen erkennen Innenpolitik als fundamentales Politikfeld, um demokratische Partizipation und den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu erhalten und zu fördern, an. Dabei hat der Staat im Bereich der Sicherheitspolitik die besondere Verantwortung, die Erfüllung dieser hoheitlichen Aufgabe ständig zu gewährleisten und ihre Funktionsfähigkeit neu zu evaluieren.

Für die Innenpolitik fordern wir:

1. Wahlrecht mit 16: Die Jungen Liberalen Hessen fordern eine Absenkung des aktiven Wahlalters für Landtags- und Kommunalwahlen auf 16 Jahre. Die Demokratie lebt von Partizipation, Mitbestimmung, dem Interesse für politische Themen und sollte die gesamte Bevölkerung repräsentieren. In der Absenkung des Wahlalters sehen wir einen Schritt in Richtung Generationengerechtigkeit. Gleichzeitig soll die Senkung des passiven Wahlrechts bei Landtagswahlen auf 18 Jahre erfolgen.

2. Cannabis legalisieren: Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich für einen aufgeklärten und verantwortlichen Umgang mit Drogen aus. Deshalb möchten wir den Besitz von sogenannten weichen Drogen, wie Cannabinoide legalisieren. Apotheken sollen hierbei als legale Verkaufsstätte dienen, um Erwachsenen den eigenverantwortlichen Konsum zu ermöglichen.

3. Verbote verbieten: Jeder soll nach seiner Façon leben und seine Freizeit so gestalten, wie er es möchte ohne andere dabei einzuschränken. Daher lehnen wir nicht zwingend erforderliche Verbote, wie zum Beispiel das Tanzverbot an hohen kirchlichen Feiertagen, die Sperrstunden in Gaststätten und ein mögliches Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit, ab.

4. Hessens Verfassung ins 21. Jahrhundert holen: Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für eine moderne und lebendige Verfassung ein. Aus diesem Grund setzen wir uns für Infrastruktur und Kultur als Staatsziele ein und fordern die Streichung der Sozialisierungsklausel sowie der Todesstrafe. In einem aufgeklärten und pluralistischen Land bedarf es nicht mehr des Gottesbezugs in der Präambel der hessischen Verfassung. Wir setzen uns daher für dessen Streichung ein.

5. Nicht verbeamtet, nicht befristet: Verbeamtungen sollen in Hessen zukünftig nur noch für hoheitliche Aufgaben erfolgen. Gleichzeitig lehnen wir befristete Anstellungsverhältnisse, im Rahmen derer z.B. Lehrer zu den Sommerferien freigestellt werden, strikt ab.

6. Kulturland Hessen: Die Jungen Liberalen Hessen sehen Kultur als wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens an. Deswegen befürworten wir staatliche Unterstützung des Kulturbereichs, die jedoch nur Hand in Hand mit verantwortungsvollem Haushalten von Seiten der Kulturinstitutionen gehen kann.

7. Breitensport fördern: Die Jungen Liberalen Hessen begreifen Breitensport in Schulen, Betrieben und Vereinen als einen elementaren Teil des Alltags der Bevölkerung. Hierbei begreifen wir Breitensport weiterhin als Länderzuständigkeit, innerhalb derer insbesondere Vereine, z.B. durch die Vernetzung mit Schulen, im Fokus stehen sollten. Wir wollen sowohl Breitensport als auch integrativen und inklusiven Sport fördern.

Für Sicherheit und Polizei fordern wir:

1. Gegen flächendeckende Videoüberwachung, Polizisten präsent machen: Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich gegen Videoüberwachung in der Fläche aus, da ein zu starker Eingriff in die Privatsphäre der Bürger besteht. An Orten mit häufigem Kriminalitätsvorkommen kann sie jedoch zur besseren Aufklärung eingesetzt werden. Die bereits verwendeten Kameras sollen modernisiert werden, um für besser erkennbare Bilder zu sorgen, jedoch soll auf eine automatisierte Gesichtserkennung verzichtet werden. Stattdessen befürworten wir mehr Präsenz durch Polizeibeamte dort im öffentlichen Raum, wo sie auch benötigt wird.

2. Polizei ausrüsten: Um die Handlungsfähigkeit der Polizei zu gewährleisten, ist eine Modernisierung der Ausstattung dringend notwendig. Hierzu zählen insbesondere der Einsatz von Bodycams, Drohnen zur Aufklärung bei Bedrohungslagen und Computersystemen in Streifenwagen zur mobilen Erfassung von Fahndungsdaten. Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich für eine anonymisierte Kennzeichnung von Polizisten ein.

3. Polizei aufstocken: In Hessen ist die Polizei und Justiz unterbesetzt. Die Schaffung von neuen Stellen ist in beiden Bereichen erforderlich, um die Durchsetzung des Rechtsstaates zu ermöglichen. In den nächsten Jahren ist die Anzahl der Überstunden bei Polizei und Justiz zu reduzieren. Hierbei soll das Augenmerk jedoch nicht auf der Schaffung von Spezialkräften zur Terrorismusabwehr gelegt werden, sondern die Schutzpolizei personell gestärkt werden.

4. Stärkung der Ordnungsämter: Wir fordern, die Erweiterung der Kompetenzen der Ordnungsämter zur Entlastung der Polizei. So sollen etwa einfache Verkehrsunfälle durch das Ordnungsamt und nicht durch die Polizei aufgenommen werden können.

5. Cyberkriminalität bekämpfen: Beim LKA ist die Anzahl der IT-Spezialisten zu erhöhen, um den Anforderungen an Internetkriminalität und Datenauswertung gerecht zu werden sowie die einzelnen Polizeidienststellen zu entlasten.

6. Polizeimonopol statt freiwilliger Dienste: Der Einsatz von freiwilligen Polizeidiensten ist abzulehnen. Dieser trägt nicht zur objektiven Sicherheitslage bei.

7. Spitzenpersonal ausbilden und anziehen: Das Anforderungsprofil von Polizisten darf nicht unter ein gewisses Minimum abgesenkt werden. Hierbei sollte die persönliche Eignung des Bewerbers und nicht seine schulische Qualifikation die entscheidende Rolle spielen. Aus diesem Grund sollte der Polizeidienst auch wieder für Realschüler zugänglich gemacht werden. Insbesondere ist auf ein sauberes Führungszeugnis zu achten. Wir sprechen uns für eine Anhebung des Gehaltsniveaus der Polizisten auf Bundesdurchschnitt aus. Eine Ausdifferenzierung der Gehaltsstufen ist einzuführen, welche in den Rängen kenntlich gemacht werden soll. Die Gesamtstruktur der Polizeiränge ist dabei aufrechtzuerhalten.

8. Informationsaustausch verbessern: Zur besseren Koordinierung der Ermittlungen sollen alle Kriminaldaten zentral gespeichert werden. Auf dieses sollen alle LKAs direkt zugreifen können, um länderübergreifende Ermittlungen zu vereinfachen. Bei der Schaffung einer zentralen Datei, in der Kriminaldaten gespeichert werden, ist zuerst zu prüfen, ob sich eine solche Datei bereits in der Planung befindet, an der sich das Land Hessen beteiligen kann.

9. Polizeigewalt effektiv ahnden: Um durch Polizisten begangenen Straftaten wirksam bekämpfen zu können, sollen die Ermittlungen hessenweit durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt geleitet werden. Liegt hingegen ein Fall aus dem Raum Frankfurt vor, sollen Wiesbadener Staatsanwälte die Ermittlungen leiten. Zur Durchführung der Ermittlung bedient sich der Staatsanwalt der Polizeikräfte im eigenen Bezirk. Um die Ermittlungen in jeder Situation zu ermöglichen, sollen Polizisten jederzeit, unabhängig von Einsatz und Aufgabe, gekennzeichnet sein.

Zusammenarbeit mit Islamverbänden für den Schulunterricht überarbeiten

Die derzeitige Zusammenarbeit des hessischen Kultusministeriums mit dem islamischen Dachverband DITIB für den islamischen Religionsunterricht muss in Hessen beendet werden. Stattdessen soll künftig das Lehrcurriculum alleine durch das Kultusministerium in Zusammenarbeit mit Vertretern der Schulen, Lehrkräften der Islamwissenschaften und Vertretern der hessischen Hochschulen für Islamwissenschaft erstellt werden. Vertreter von DITIB oder anderer Islamverbände werden hierfür künftig nicht eingeladen. Eine Kooperation mit den Islamverbänden soll in Zukunft jedoch wieder aufgenommen werden, sobald sich ein Verband durch seine Struktur und Ausrichtung als vollständig Unabhängig von ausländischen Regierungen und frei von radikalem Gedankengut auszeichnet sowie einen hinreichend großen 
Rückhalt in der muslimischen Bevölkerung in Deutschland aufweist.

Papa, ziehen wir nach Bremen, damit mein Abi besser wird?

Die Jungen Liberalen Hessen fordern die KMK dazu auf, sich für bundesweit einheitliche Bildungsstandards einzusetzen. Die bisherigen Landesabiturprüfungen müssen auf Bundesebene vergleichbar sein. Nur durch die Vergleichbarkeit kann der Wettbewerb im föderalen Bildungssystem gestärkt werden.

 

In der heutigen Zeit stehen nicht mehr Bremen und Bayern im Wettbewerb, sondern Deutschland und China. Der Wert eines Schulabschlusses darf nicht vom Bundesland abhängen. Bei der Angleichung der Bildungsniveaus darf es keine Angleichung nach unten geben. Kurzfristig wäre hier eine Angleichung der Lehrpläne der erste Schritt in die richtige Richtung, langfristig sollen deutschlandweite Prüfungen angestrebt werden, damit die bestmöglichste Vergleichbarkeit gewährt ist. Aber nicht nur ideologische Gründe sprechen für eine Angleichung des Bildungssystems, auch kann eine umfassende Modernisierung nicht von den Kommunen und Ländern alleine gestemmt werden, weswegen eine Verlagerung der Kompetenz zum Bund auch dieses Problem angehen würde. Jedes Kind sollte die bestmöglichste Bildung kriegen, und nicht davon abhängig sein, in welchem Bundesland seine Eltern leben.

Unser Meisterplan – Weil Ausbildung sich auszahlt

Unser Meisterplan – Weil Ausbildung sich auszahlt

Viele Wege führen zum Beruf. Doch egal welche Richtung ein Jugendlicher oder junger Erwachsener einschlägt, eine gute Bildung ebnet den Weg, ermöglicht das Weiterkommen und ist die beste Voraussetzung für eine beruflich erfolgreiche Zukunft. Dazu trägt das deutsche Ausbildungssystem einen elementaren Anteil bei und schafft individuell Perspektiven für Absolventen aller Schulformen. Obwohl das duale Ausbildungsmodell weltweit Anerkennung und Nachahmer findet, manifestiert sich in sinkenden Ausbildungszahlen, dass die Attraktivität einer Ausbildung für Jugendliche in Deutschland abnimmt. Die Diskrepanz steigend unbesetzter Ausbildungsstellen bei gleichzeitig steigenden Studienabbruchquoten zeigt, dass gerade die zunehmende Zahl der Abiturienten eine Ausbildung nicht oft genug in Betracht zieht. Dabei bietet der Weg der Ausbildung viele Vorteile: Praxisnähe, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, einen zügigen Berufseinstieg, oftmals eine gute Perspektive auf Übernahme sowie die verschiedensten Möglichkeiten zur Weiterbildung. Viele Ausbildungsberufe, insbesondere aus dem Handwerk, sind gleichzeitig die beste Voraussetzung für eine spätere Selbstständigkeit. Die Jungen Liberalen Hessen sind überzeugt, dass ein Meister so viel wert ist wie ein Master. Für uns steht eine Ausbildung einem Studium in nichts nach. Um den Ausbildungsweg wieder attraktiver zu gestalten, bedarf es dabei eines Zukunftskonzepts der beruflichen Bildung, das sowohl Jugendliche, Betriebe, Berufsschulen als auch weiterführende Schulen einbindet.

Den Weg ebnen – Das Ausbildungssystem

Jeder Auszubildende ist anders und jede Ausbildung hat andere Anforderungen. Die Flexibilität der Ausbildungsdauer, die Option der Teilzeitausbildung und die sich anschließenden Weiterbildungsmöglichkeiten machen das deutsche Ausbildungssystem zu einem individuell gestaltbaren Berufsweg. Diese Individualität sehen die Jungen Liberalen Hessen als entscheidenden Vorteil gegenüber alternativen Systemen an. Daher lehnen wir ausbildungsübergreifende gesetzliche Mindestausbildungsdauern sowie vorgegebene Zeitspannen für den betrieblichen Anteil in der dualen Ausbildung ab.

Bildung ist immer auch Standortfaktor. Deswegen ist eine ausbildungsplatznahe Beschulung in so vielen Ausbildungsberufen wie sinnvoll nötig, um einerseits weite Fahrtwege für Auszubildende zu vermeiden und andererseits Ausbildungsplätze in Betrieben flächendeckend zu erhalten. In Berufssparten mit landes- oder bundesweit wenigen Auszubildenden können Blockunterrichtphasen durch digitale Lernangebote verringert werden. Hierzu müssen, wie bei allen anderen Schulformen auch, Lehrer für den technisch gestützten Unterricht fortgebildet und eine angemessene Schulausstattung sichergestellt werden. Auf betrieblicher Seite sind Zusammenschlüsse von Unternehmen denkbar, um gemeinsam Ausbildungen anzubieten und so insbesondere in kleineren Betrieben erst die Möglichkeit für Berufsausbildungsangebote zu schaffen.

Übereinstimmend mit der dualen Berufsausbildung erfordert auch die vollzeitschulische Variante bundeseinheitlich verpflichtende Rahmenstandards, um die Gleichwertigkeit der Ausbildungssysteme zu garantieren. Um den praktischen Anteil dieser Ausbildungsform zu stärken, müssen Anzahl und Dauer von Betriebspraktika erhöht werden. Insbesondere in den

Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufen sind der praktische Umgang mit Menschen und das Einfinden in die Arbeitssituation elementar.

Ein Weg für alle – Chancengerechtigkeit schaffen

Um Chancengerechtigkeit auch im Ausbildungssystem zu gewährleisten, sollen öffentliche Berufs- und Berufsfachschulen sowohl für Auszubildende als auch für Betriebe, die bereits für die Ausbildungsvergütung aufkommen, kostenfrei bleiben. Die Jungen Liberalen Hessen setzen sich für eine elternunabhängige Berufsausbildungsbeihilfe ein, die den Lebensunterhalt sicherstellt, soweit die Ausbildungsvergütung hierzu nicht ausreichend ist. Analog zum Bafög für Studierende soll die Ausbildungsbeihilfe teilweise zurückgezahlt werden. In Ergänzung zum reformierten Aufstiegs-Bafög für Fortbildungen setzen wir uns für nachgelagerte Gebühren für Meister- und Fachwirtsprüfungen ein, die vielen finanziell diese Qualifikation erst erschließen können. Zusätzlich müssen Stipendienprogramme für Auszubildende ausgebaut werden. Wir sprechen uns dafür aus, dass auch die politischen Stiftungen einen Schritt weitergehen und ihre Förderung für diesen Bildungsweg öffnen.

Alle Richtungen offenhalten – Ausbildung für jede Schulform

Die Vorbereitung auf die Berufswahl an Schulen ist unzureichend. Insbesondere an Gymnasien muss die Option Ausbildung präsenter werden. Praktika, Informationsveranstaltungen, wie z.B. die Nacht der Ausbildung in vielen hessischen Städten, sowie Praxisbezug im Unterricht und Betriebsbesichtigungen im Rahmen von Exkursionen müssen hierfür verstärkt Teil von Schulcurricula werden.

Die Jungen Liberalen Hessen kritisieren die zunehmende Akademisierung von Ausbildungsberufen, denn die Verknüpfung theoretischer und praktischer Elemente hat in vielen Berufen einen weitaus höheren Nutzen als der Titel eines Bachelorabschlusses. So sind bewährte Zugangsvoraussetzungen beizubehalten, anstatt neue zu schaffen. Gleichermaßen lehnen wir es ab, bestimmte Ausbildungsberufe ausschließlich Abiturienten zugänglich zu machen. Die stetige Erweiterung von dualen Studiengängen hingegen erkennen wir als positive Entwicklung an, die im akademischen Bereich mehr Praxisnähe schafft. Diese darf allerdings nicht zur Verdrängung bestehender Ausbildungsberufe führen, die bereits bestmöglich auf die zukünftige Tätigkeit vorbereiten. Um Studienabbrechern die Perspektive Ausbildung zu eröffnen, muss die Möglichkeit auf Anerkennung bereits bestandener Prüfungsleistungen in sich überschneidenden Fachbereichen geschaffen werden.

Wege finden – Eine Lösung für jeden

Die Jungen Liberalen Hessen unterstützen das Förderinstrument der assistierten Ausbildung der Bundesagentur für Arbeit, um benachteiligte Jugendlichen Hilfestellungen zu geben und Ausbildungsabbrüchen vorzubeugen. Im Rahmen einer Modularisierung der Ausbildung kann den Erwerb von Teilqualifikationen eine Zwischenlösung für Jugendliche schaffen, für die eine vollständige reguläre Ausbildung aus unterschiedlichen Gründen nicht in Betracht kommt. Wer nie eine Ausbildung absolviert hat, aber über einen langen Zeitraum praktisch im Beruf gearbeitet hat, soll durch berufsbegleitenden theoretischen Unterricht einen Ausbildungsabschluss nachholen können und so die Voraussetzungen für den weiteren Berufsweg schaffen.

Die Jungen Liberalen Hessen befürworten einen inklusiven Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Gleichzeitig erkennen wir an, dass Behindertenwerkstätten und Berufsbildungswerke für viele Menschen mit Einschränkungen erst eine Ausbildungs- und Berufsperspektive schaffen. Leider kann diese Doppelstruktur einen Eintritt oder eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erschweren, sodass der reguläre Ausbildungsweg für so viele Jugendliche wie möglich das Ziel sein soll. Um dies zu unterstützen sollen zur Vorbereitung auf eine reguläre Ausbildung Programme in Kooperation mit Berufs- und Berufsfachschulen angeboten werden. Ebenso soll im Anschluss an eine abgeschlossene Ausbildung in einem Berufsbildungswerk durch zusätzliche Qualifizierungen ein regulärer Berufsabschluss erlangt werden können. Damit der Grundsatz, dass Arbeit sich immer lohnen muss, auch für behinderte Menschen in der Werkstattarbeit gilt, müssen hier die Freibeträge der Grundsicherung erheblich erhöht werden, um bessere Lohnperspektiven zu schaffen und aufzuzeigen, dass eine Aus- und Weiterbildung immer der vorteilhaftere Weg ist.

Arbeit und Ausbildung sind die besten Integrationsmaßnahmen – auch und insbesondere für Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel sowie anerkannte Asylsuchende. Daher müssen Betriebe die Planungssicherheit bekommen, dass die bei ihnen beschäftigen Flüchtlinge eine sichere Aufenthaltserlaubnis für die Dauer der Ausbildung bekommen. Eine Ausbildungs- bzw. Arbeitserlaubnis muss dabei nach spätestens drei Monaten gewährt werden, um einen schnellen Eintritt in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Weiterkommen – Möglichkeiten schaffen

Eine Ausbildung darf keine Sackgasse sein, sondern muss immer neue Wege eröffnen und Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten. Die hierbei wichtigsten Fortbildungswege sind Meister- und Fachwirtsausbildungen, deren hohe Standards in Deutschland beibehalten werden müssen. Ebenso schafft die Ausbildung als alternativer Weg zum Studium soziale Durchlässigkeit und eröffnet neue Lebenswege. Der Erwerb von Zusatzqualifikationen kann das Ausbildungsprofil individuell schärfen. Dabei muss der Grundsatz des lebenslangen Lernens auch in Ausbildungsberufen verstärkt Anwendung finden. Insbesondere der Anschluss an den technischen Wandel wurde in einigen Ausbildungen verpasst, sodass der Aufbau von IT-Kenntnissen in Fortbildungen unabdingbar ist, um mit den wachsenden Anforderungen der Berufswelt Schritt zu halten.

Während der Bologna-Prozess innereuropäische Universitäten näher zusammengebracht hat, sind die Ausbildungssysteme europäischer Länder weiterhin sehr unterschiedlich. Statt einer Vereinheitlichung des Systems wollen wir einen grenzübergreifenden Ausbildungsmarkt durch eine bessere Vernetzung der nationalen Arbeitsagenturen zu schaffen. Eine Verstärkung der Mobilität innerhalb Europas für Auszubildende ist also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Die Erweiterung von sprachlichen und kulturellen Kompetenzen durch Auslandsaufenthalte ist für viele Auszubildende ebenso wichtig für die berufliche und persönliche Entwicklung wie für Studierende. Aktuell nimmt nur ein Bruchteil der Auszubildenden die Option eines Betriebspraktikums im Ausland wahr, das bereits durch die EU gefördert wird. Analog zum Erasmus-Studienaufenthalt soll für Ausbildungen mit blockweisen Berufsschulphasen die Option geschaffen werden, auch einen Teil der Schulphase an einer Partnerschule im Ausland zu absolvieren. Eine Höchstdauer des Auslandsaufenthaltes während der Ausbildungszeit lehnen wir generell ab. Ganz im Gegenteil, Unternehmen sollen Auszubildende auch in ausländischen Zweigniederlassungen nach deutschen Standards betrieblich ausbilden

können, wobei diese regulär den Berufsschulunterricht in Deutschland besuchen und einen Abschluss im Inland erhalten können. Zusätzliche Kosten müssen hierbei von den Unternehmen getragen werden.

Klares Zeichen für Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen

Die Jungen Liberalen Hessen sprechen sich dafür aus, dass sich die Akzeptanz und nicht nur die Toleranz sexueller Vielfacht in den Lehrplänen hessischer Schulen widerspiegeln soll. Wir wollen nicht, dass schwule und lesbische Kinder in Hessens Schulen nur toleriert werden, sondern dass sie auch akzeptiert werden.

Mein Nacktbild, Snapchat und ich… und die Anderen

Mein Nacktbild, Snapchat und ich… und die Anderen

Die Jungen Liberalen Hessen fordern die Vermittlung von „Medienkompetenz“ ab der Jahrgangsstufe 6.
Hierbei soll vor allem Wert auf den verantwortungsvollen Umgang mit Medien und auch eine grundsätzliche Sensibilisierung bei der Datensicherheit gelegt werden. Außerdem soll hier ein kritischer Umgang mit Informationsquellen vermittelt werden.

Keine zusätzliche Finanzierung der Gender-Studies

Keine zusätzliche Finanzierung der Gender-Studies

Die Jungen Liberalen Hessen fordern, dem Studienfach der Gender Studies  die staatliche Finanzierung zu entziehen. Die staatliche Finanzierung Studienfach abhängiger Bereiche, in die die Gender Studies fallen, soll beibehalten werden.

Digitale Zukunft, statt letztes Jahrhundert in den hessischen Schulen!

Digitale Zukunft, statt letztes Jahrhundert in den hessischen Schulen!

Die beste Bildung der Welt erreicht man nicht mit einer Ausstattung aus dem 20. Jahrhundert. Aus diesem Grund fordern die Jungen Liberalen Hessen das Land auf bessere Rahmenbedingungen für mediengestützten Unterricht und interaktives Lernen zu schaffen.
Zu diesem Zweck soll das Budget des Programms Schule@Zukunft von 5 Millionen auf 10 Millionen Euro verdoppelt werden. Mit diesem Programm werden die Schulämter bei der  Anschaffung von IT-Ausstattung einschließlich Support unterstützt. Im Gegenzug sind die Schulträger und das Kultusministerium verpflichtet einen Medienentwicklungsplan, sowie ein dazugehöriges Fortbildungskonzept vorzulegen.
Die Fortbildungen zielen auf eine Kompetenzschulung der Lehrkräfte im Umgang mit neuen Medien, wie Smartboards oder Tablets. Dabei wäre es sinnvoll, wenn es bereichsspezifische Fortbildung gäbe, wodurch zum Beispiel bei Mathelehrern ein besonderer Wert auf den Umgang mit GeoGebra gelegt werden soll. Nur bei Vorlage dieser Konzepte werden die Mittel aus dem Programm Schule@Zukunft gewährt.
Zusätzlich ist für vernünftige Rahmenbedingungen zu sorgen. Eine Ausstattung mit Tablets bringt nichts, wenn nicht gleichzeitig auch für eine vernünftige WLAN Anbindung gesorgt ist.
Im Zuge dieser Modernisierungen soll allerdings die Selbstständigkeit der Schule nicht angetastet werden. Trotz Zweckgebundenheit der Gelder für den IT-Bereich soll die Schule selbst entscheiden, welche Plattform, z.B. Tablet, Smartboard oder interaktiver Beamer, für ihre Belange am besten geeignet ist.