Bildung für Hessen – ausgewogen, eigenverantwortlich, individuell

Bildung für Hessen – ausgewogen, eigenverantwortlich, individuell

Bildung beinhaltet für die Jungen Liberalen Hessen das Fördern der individuellen Stärken der heranwachsenden Generation. Dies ist in unseren Augen die wichtigste Ressource die wir haben. Für die Jungen Liberalen Hessen steht fest, dass es auf die Qualität, gute Rahmenbedingungen und vor allem auf die Chancengerechtigkeit ankommt und nicht auf immer wiederkehrende Strukturdebatten. Wer Qualität auf hohem Niveau sicherstellen will, muss den einzelnen Bildungseinrichtungen den nötigen Raum für deren Entwicklung gewährleisten. Wir wollen, dass die strukturellen Rahmenbedingungen für Bildung weiterhin maßgeblich durch die Bundesländer bestimmt werden. Wir halten den Wettbewerb der Bundesländer im Bildungsbereich für unverzichtbar, damit sich die besten Ideen durchsetzen und zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für die einzelne Einrichtung führen. Aber auch im Bildungsbereich müssen bundesdeutsche Standards gefunden werden. Das Land Hessen soll seine Kompetenzen behalten , aber gleichzeitig den Bildungseinrichtungen die notwendigen Freiheiten geben, sich ebenfalls zu entwickeln und selbständig Wege zum Bildungserfolg des Einzelnen zu ermöglichen. In den selbstständigen Schulen müssen eigene Wege definiert und auch beschritten werden.

Rahmenbedingungen und Zielvereinbarungen
Die Jungen Liberalen Hessen sehen mit Besorgnis, dass viele Eltern und Schüler im deutschen Bildungswesen die Orientierung verloren haben und es bei Schulwechseln zwischen einzelnen Bundesländern zu Schwierigkeiten kommt. Daher erwarten die Jungen Liberalen Hessen von den Bundesländern endlich klare Konzepte in der Abstimmung der Rahmenbedingungen. Beispielsweise im Hinblick auf den Beginn des Fremdsprachenunterrichts (1. und 2. Fremdsprache), der Verordnungen über Abschlussprüfungen auf gleichem Anforderungsniveau sowie gemeinsame Vorgaben über Bildungsziele. Die Kultusministerkonferenz hat in der Vergangenheit häufig bewiesen, dass sie dazu nicht in der Lage ist. Wir fordern die Behörde der Kultusministerkonferenz aufzulösen. Stattdessen fordern wir ein Expertengremium, welches gemeinsame die gemeinsamen Bildungsstandards definiert. Dieses Gremium soll sich zu jeweils einem Drittel aus Fachkräften der Politik, der Wissenschaft und aktiven Lehrern zusammensetzen. Außerdem soll ein von der Bundesschülerkonferenz gewählter Delegierter Rederecht erhalten, um Interessen, Bedürfnisse und Probleme der Schülerschaft skizzieren zu können.

Praxisnah und Zukunftsorientiert
Die Jungen Liberalen Hessen begrüßen die praxisnahe Schulausbildung, wie sie durch berufsorientierte Praktika möglich ist. Diese Praktika müssen allerdings intensiviert und verstärkt werden. Ein einziges zweiwöchiges Praktika, wie es momentan an vielen Schulden Standard ist, genügt nicht.
Auch der Übergang von Schule zu Universität muss den Abiturienten erleichtert werden. Hier fordern wir, ähnlich eines Betriebspraktikums, eine einwöchige Orientierungsveranstaltung für alle Abiturienten, welche von Schulen und Universitäten gemeinsam organisiert wird und den Schülern ein Bild von den Wegen und Möglichkeiten an Universitäten aufzeigt.

Finanzierung durch den Bund und das Land
Unabhängig vom Kooperationsverbot, welches beibehalten werden soll, müssen sich Bund und Länder darüber verständigen, wie im Rahmen einer veränderten Verteilung von Steuereinnahmen zwischen ihnen die Bildungsausgaben in den Ländern gesteigert werden können. Die Jungen Liberalen Hessen begrüßen die Forderung nach einem höheren Anteil am Umsatzsteueraufkommen für die Länder zugunsten von mehr Bildungsausgaben. Im Zuge dessen fordern wir, dass die Schulbaupauschale für Kommunen erhöht wird.

Ganztagsschulen
Wir fordern ein ganzheitliches Konzept zur flächendeckenden Versorgung durch Ganztagsschulen in Hessen. Die dafür notwendige Infrastruktur wird durch das Land Hessen gewährleistet, wobei die Teilnahme für Schüler am zusätzlichen Ganztagsangebot freiwillig sein muss. Zur besseren Verteilung des Stundenaufkommens könnten Nebenfächer wie beispielsweise Sport, Musik oder Kunst auch auf die Nachmittagsstunden verlegt werden, sofern dadurch nicht an allen Tagen verbindlicher Nachmittagsunterricht stattfindet. Unerlässlich ist jedoch ein Ausbau der Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden vor Ort.
Durch ein optimales Betreuungsangebot wollen wir mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Dies gilt nicht nur für die Sekundarstufen, sondern auch für die Grundschule, damit eine ausreichende Betreuung der Kinder nicht ausgerechnet in der Zeit zwischen Kindergarten und weiterführenden Schulen unterbrochen wird. Wir fordern eine Flexibilisierung der Schulanfangszeiten und dazu eine schulische Betreuung vor Schulbeginn, zu Gunsten von Schülern mit berufstätigen Eltern. Ganztagsschule bedeutet für uns dabei nicht, zeitlich definierte Anwesenheiten, sondern eine Form des Bildungsangebotes. Im Rahmen von selbstständiger Schule muss über die Rhythmisierung von Schule diskutiert werden und alte Regelungen, wie die 45-Minuten-Taktung von Unterricht in Frage gestellt werden.
Gerade Schülern, die einen langen Schultag absolvieren, muss eine ausgewogene Mahlzeit garantiert werden. Dies darf die Eltern finanziell nicht unnötig belasten und muss effizient von statten gehen. So ist eine Kooperation mit anderen Schulen oder externen Organisationen wie beispielsweise Kantinen größerer Unternehmen durchaus vorstellbar. Deshalb muss eine anonyme Bezuschussung ermöglicht werden, wobei Kartensysteme vorstellbar wären.

Mittelstufenschule und gemeinsamer Unterricht
Kinder sollen auf das Leben vorbereitet und nicht nur mit bloßem Wissen, sondern auch sozialen Kompetenzen ausgestattet werden. Dass im Rahmen der Mittelstufenschule besonders auf Praktika und Praxisorientierung Wert gelegt wird, befürworten wir ausdrücklich. Da die Entwicklung der Kinder im jungen Alter sehr unterschiedlich ist, fordern wir die Möglichkeit eines gemeinsamen Unterrichts bis zur sechsten Klasse. So kann eine faire, vom Entwicklungsstand unabhängige, Einstufung der Leistung vorgenommen werden.

Durchlässigkeit weiter fördern
Wenn festgestellt wurde, dass die Entscheidung für eine Schulform nicht die Richtige war, muss es leicht möglich sein entsprechend zu korrigieren und die Schulform entsprechend zu wechseln. Wir sind uns darüber bewusst, dass nicht jedes Kind die Fähigkeit haben kann ein Abitur abzulegen. Deshalb bestehen wir auf eine individuelle Förderung der Kinder. Abschlüsse die nicht so hoch angesiedelt sind werden abgewertet, wenn für alle ein Abitur gefordert wird.
Die Tatsache, dass ein Schüler eine Schulform wechselt, darf für keinen Beteiligten zum Nachteil werden. Das Budget einer Schule bestimmt sich aber unter anderem durch die Anzahl der Schüler. Aufgrund dieser Finanzierungsweise, ist es für die einzelnen Schulen unattraktiv, Schüler an eine andere Schulform zu verlieren. Da wir es jedoch für erstrebenswert halten, dass möglichst viele junge Menschen den passenden Bildungsweg beschreiten, muss hier eine Kompensation erfolgen. Wenn Schüler den Bildungsweg wechseln, wird ein entsprechender Ausfall der Schulen kompensiert.
Unberührt hiervon stehen wir zu unserer Forderung nach Schulformwahlfreiheit und Finanzierung des Schulweges. Der Schulwegverkehr zur nächstgelegenen öffentlichen Schule der Schulform der Wahl muss bis zum Ende der Schullaufbahn gewährleistet sein.

Verwaltung effizienter gestalten
Schulen müssen aus unserer Sicht weiter in Richtung Selbstständigkeit geführt werden. Dadurch sinkt zwangsläufig auch der Verwaltungsaufwand außerhalb der einzelnen Schule. Die staatlichen Schulämter müssen deshalb verkleinert werden. Freigewordene Ressourcen sollten stattdessen in die Schule selbst fließen.
Zur Umsetzung der selbstständigen Schule gehört es auch, dass die Schulen mittelfristig ihr Budget selbst verwalten sollen. Hierzu bedarf es der Schulleitung sowohl an kaufmännischem, als auch pädagogischem Know-how. Die Schulen können bei Bedarf auch Mitarbeiter einstellen, die keine pädagogische Ausbildung haben.

Finanzierung
Grundsätzlich ist die Finanzierung der Schulen durch das Land beizubehalten. Allerdings müssen die Schulen mittelfristig eine Budgethoheit erhalten, um die selbstständige Schule faktisch auch umsetzen zu können. Eine zusätzliche Finanzierung durch private Investoren darf hierbei nicht verwehrt bleiben. Gerade im Bereich von Anlagegegenständen wie Gebäuden und technischen Geräten, ist eine Zusammenarbeit mit Sponsoren denkbar. Bei besonderen Veranstaltungen wie beispielsweise Schulfesten kann gar Produktwerbung eine sinnvolle Finanzierungsmöglichkeit darstellen. Vor allem erachten wir einen umgekehrten Generationenvertrag für notwendig. Konzepte wie Förderung durch Alumni oder Fördervereine müssen eigenständig ausgebaut und unterstützt werden.
Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die staatliche Förderung weiterführender Schulen in freier Trägerschaft ausgebaut wird. Gerade in der Gründungsphase bedarf es eines staatlichen Zuschusses dieser Schulen, um zu hohe und somit auf einen sogenannten Sozialindex schwer anwendbare Elternbeiträge zu verhindern.

Lehrerausbildung
Die Jungen Liberalen Hessen betrachten die Lehrerausbildung als Fundament guter Bildung. Verantwortliche Bildungspolitik muss bei den Handelnden ansetzen. Jede institutionell hergestellte Unterrichtssituation wird erst durch den hautpverantwortlichen Akteur, also den Lehrer oder die Lehrerin, mit Leben und so mit Qualität gefüllt. Die JuLis begrüßen es, dass diese Erkenntnis in den vergangenen Jahren auch vom hessischen Bildungsministerium gefasst wurde und erste Konsequenzen, z. B. mit der Umstrukturierung und Verkürzung des Referendariats eingeleitet wurden. Wenn eine ganze Jahrgangsstufe, auf Grund von G8 weniger beschult werden muss, halten wir es auch nur für folgerichtig, dass auch weniger Lehrer innerhalb des Referendardienstes ausgebildet werden, um einem drohenden Lehrkräfteüberangebot frühzeitig vorzubeugen.
Nachholbedarf sehen die JuLis bei der Verbesserung des Lehramtsstudiums, welches momentan noch zu wenig Praxisorientierung bietet. Die vom Bildungsministerium angekündigte Stärkung der praxisorientierten Ausbildungsphasen im Studium darf nicht auf die lange Bank geschoben werden, sondern muss im Jahr 2012 erfolgen, so dass 1. Phase (Studium) und 2. Phase („Referendariat“ / Vorbereitungsdienst) der Lehrerausbildung optimal aufeinander abgestimmt werden. Dazu gehört auch die Einführung eines Praxissemesters für das Lehramtsstudium.