Neulich im Badezimmer

Neulich im Badezimmer

Seit meinem 16 Lebensjahr bin ich Mitglied bei den JuLis. Viele meiner Freunde haben mich im Laufe der Jahre gefragt was meine Motivation sei beizutreten und warum ich freiwillig so viel Zeit für dieses aufwendige Hobby opfere. Nach mehreren Anläufen ist es selbstverständlich immer einfacher geworden zu erklären, warum ich für die Freiheit des Einzelnen und Liberalismus eintrete und mich für die Eigenverantwortung stark mache.

Doch immer wieder im alltäglichen Leben begegnen mir Dinge, durch die ich mich seltsam berührt, eingeschränkt oder manchmal auch einfach nur belästigt fühle. Ebenso wie neulich im Badezimmer; da entdecke ich früh morgens, gerade auf dem Sprung unter die Dusche, mit dem Plan in 30 Minuten in der Uni zu sitzen, ein eingenähtes Etikett in meinem Schlafanzugoberteil mit der Innschrift „Keep away from fire“.
Meine erste Reaktion war Verwunderung. Diese wich schnell einer Wut. Was für eine abstrakt komische Regelung wohl dahinterstecken mag, dass es nun wirklich so weit ist, die Notwendigkeit zu sehen, um Menschen zu erzählen, sie sollen ihren Schlafanzug nicht in die direkte Nähe von Feuer bringen. Wie konnte ich die letzten 20 Jahre nur ohne all diese wertvollen Hinweise überleben? …und meine Eltern und Großeltern erst. Denn diese Generationen wurden sicherlich noch nicht mit der heute vorherrschenden peinlichen Genauigkeit darauf hingewiesen, dass sie bitte „ihre Haustiere nicht in der Mikrowelle trocknen“ mögen oder sich „diese Plastiktüte bitte nicht über den Kopf ziehen“ sollten.

Die Beispiele sind hier grenzenlos; wie ist es alleine mit jeder Mülltonne, auf der seit schätzungsweise drei Jahrzehnten vermerkt ist, dort möge doch bitte keine heiße Asche einzufüllen zu sein. Oder Feuerzeuge, die nur noch mit Kindersicherungen verkauft werden dürfen.

Zurück in mein Badezimmer: Ich war wach! Die Beleidigung durch meine Oberbekleidung, das uns aberzogene Eigenverantwortungsgefühl, die stetige rechtliche Absicherung vor möglichen Schadenersatzforderungen beschäftigen mich.

Es widerspricht zu tiefst meinem Menschenbild und vor allem meiner Vorstellung eines gesunden gesamtgesellschaftlichen Miteinanders mündige Menschen auf derartige banale Dinge hinzuweisen, bis in den kleinsten Lebensbereich die staatliche Regulierung vorzunehmen, um den Bürger – in letzter Konsequenz – vor sich selbst zu schützen. Ich will und muss nicht vor mir selbst beschützt werden! Die Verantwortung für mich und mein Leben liegt nämlich in meiner Hand. Adam Smith, ein Ur-Liberaler, bringt dies sehr passend auf den Punkt. Smith sagt: Wir handeln in Freiheit. Aber wir müssen unser Handeln rechtfertigen unter den Gesichtspunkten der Vernunft, Gewissen und unseren Nächsten. Das ist Verantwortung.
Dieses Verantwortungsgefühl trage ich ebenso in mir. Wenn mich wieder jemand fragen sollte, warum ich mich politisch für die JuLis engagiere, werde ich antworten, dass ich der Auffassung bin, jeder Mensch solle machen können, was er möchte, solange er nicht durch seine Handlungen anderen Menschen das gleiche Recht nimmt. Oder ich erzähle was mir neulich im Bad passiert ist….