TRAUT EUCH WAS! WARUM EIN WAHLRECHT MIT 16 NUR KONSEQUENT IST

Jugendliche mit 16 machen ihren Realschulabschluss, haben ihre mittlere Reife in der Tasche und suchen sich einen Ausbildungsplatz. Der Ernst des Lebens beginnt, sie übernehmen für sich sowie ihre Kollegen Verantwortung und lernen das Arbeitsleben von der Pike auf kennen.
Auch ist es in hessischen Hörsälen mittlerweile ganz normal, Kommilitonen zu haben, die erst 17 sind und trotzdem neben einem sitzen und Jura, BWL, Medizin oder Ingenieurwesen studieren.
Insgesamt lässt sich wohl ein Megatrend ableiten: Wir trauen als Gesellschaft Jugendlichen immer früher mehr zu – und das zu Recht!

Jugendlich dürfen eine Sache nicht

Dies soll nicht der Ort sein, an dem wir lang und breit über eine frühere Adoleszenz streiten, vielmehr soll es um die Konsequenzen gehen, die wir ziehen müssen.
Die Akteure der Politik stellen sich dabei schon heute auf diese neue Generation ein – sie werben verstärkt in junger Sprache, bewegen sich auf den selben Seiten im Internet und sprechen ihr Forderungen an.
Doch bisher dürfen Jugendliche eine Sache nicht – Wählen!

Warum eigentlich nicht? Die spontane Antwort vieler wird sein, dass Jugendliche mit 16 Jahren einfach noch nicht die geistige Reife haben, eine überlegte Wahlentscheidung abzugeben.
Ob ältere Menschen sich immer im Klaren sind, welche Folgen ihre Wahlentscheidung hat, sei an dieser Stelle dahingestellt. Klar wird aber mit den oben gemachten Szenarien des 16 Jährigen Azubis und der 17 Jährigen Studentin, dass solche Aussagen im Wiederspruch zur Realität stehen. Wie kann es sein, dass wir Jugendliche schon mit 16 Jahren zutrauen, ihr Leben selbst zu gestalten, aber im umgekehrten Fall nicht daran glauben, dass sie Politik und Politiker bewerten können?

Jung heißt nicht dumm!

Schauen wir uns etwa das Wahlverhalten von 16 Jährigen in den Bundesländern an, in denen sie schon wählen dürfen. Die Datenlage in Deutschland ist hierbei noch unzureichend. Zwar gibt es Daten von Kommunalwahlen, jedoch sind diese wenig Aussagekräftig, da Jungwähler zwischen 16 bis 18 Jahren nur zwischen 2% bis 4% der wahlberechtigten Bevölkerung ausmachen. Jedoch gab es selbst auf dieser dürftigen Datenlage keine starken Abweichungen.
In Österreich können schon heute 16 Jährige an Bundestagswahlen teilnehmen. Im Ergebnis zeigen Wahlanalysen, dass Jugendlich (entgegen gängiger Vorurteile) eher zu konservativen Parteien tendieren. Hierbei ist jedoch zu beobachten, dass dieses Abstimmungsverhalten mit der Priorisierung der politischen Themen übereinstimmt.
Die Qualität einer Wahlentscheidung kann sich nicht am Ergebnis selbst bemessen, sondern nur am rationalen Prozess der Ergebnisfindung. Nach dem oben beschriebenen, der Übereinstimmung von Priorisierung und anschließender Wahlentscheidung, zeigt, dass die Qualität der Wahlentscheidung von 16 Jährigen ebenso hoch ist wie die von Ü18 Wählern.

Trauen wir uns zu, ihnen zu vertrauen?

Wir müssen uns somit nicht vor einem politischen Erdbeben fürchten, wenn 16 Jährige wählen. Zum einen würden sie nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der Wahlberechtigten Bevölkerung ausmachen, zum anderen unterscheiden sich ihre Wahlentscheidungen nicht grundlegend von denen älterer Menschen. Es gibt somit keinen Grund, sich vor der Wahlbeteiligung junger Menschen zu fürchten. Und in Hamburg, Bremen und Brandenburg, wo schon heute 16 Jährige wählen dürfen, gab es keinen politischen Umsturz durch Jungwähler, sondern nur eine neue Begeisterung junger Menschen, die zum ersten Mal wählen dürfen.
Denn einen weiteren Nebeneffekt hat das Ganze: Nichts ist so aktivierend, wie selbst Teil des Geschehens zu sein. Das Interesse für Politik und politische Entscheidungen stärken wir somit gleich mit!

Wir trauen jungen Menschen heute vieles zu: Eigene Lebenswege einzuschlagen, Verantwortung für andere zu übernehmen und sind immer wieder über ihr Verantwortungsbewusstsein verblüfft. In der Konsequenz bedeutet das auch, dass wir ihnen zutrauen können, Politik die sie genauso unmittelbar trifft wie uns, mitzubestimmen.
Doch trauen wir uns?

V.i.S.d.P Lucas Schwalbach