Political Incorrectness als Erfolgsrezept für Wahlerfolge?!

Political Incorrectness als Erfolgsrezept für Wahlerfolge?!

Political Correctness heißt die aktuelle Gefahr Nummer eins für viele Politiker, wenn es darum geht, gewählt werden zu wollen und bietet eben die Chance für Populisten, Macht zu erlangen. Donald Trump ist das Paradebeispiel der jüngsten Vergangenheit, der zugegebenermaßen beeindruckend vorgemacht hat, wie es mit Hilfe von diskriminierenden Äußerungen gelingt, politische Macht zu erlangen. In Zeiten von Hate-Speech-Gesetzen und Zensur im Internet sowie der anstehenden Bundestagswahl ist dieses Thema relevant wie nie zuvor.

Aber von Anfang an, was heißt eigentlich Political Correctness? In vielen Zeitungen und auch von Politikern ist der Term in der letzten Vergangenheit äußerst inflationär eingesetzt worden, ohne dabei allerdings näher auf dessen Bedeutung einzugehen. Der Duden definiert die politische Korrektheit als eine „Einstellung, die alle Ausdrucksweisen und Handlungen ablehnt, durch die jemand […] diskriminiert wird.“ Damit stellt sie eine Art Minderheitenschutz dar. Alle Angehörigen einer gesellschaftlichen Minderheit werden durch eine sprachliche Barriere oder besser gesagt durch eine aus gesellschaftlichen Normen gebildete imaginäre Schutzmauer vor möglicherweise diskriminierenden Äußerungen von Mitgliedern einer existierenden Mehrheit geschützt, mit dem Ziel, eine weltoffene Gesellschaft ohne Ausgrenzungen zu formieren. Political Correctness lässt sich aber auch anders, negativ konnotiert als Sprachtabu oder gar als Zensur der eigenen Meinung definieren. Damit lässt sich dann auch schnell der Gebrauch einer Phrase, wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!1!1“, begründen. In der Zeit ist beispielsweise zu lesen, das „Abdriften in die Radikalität sei eine Reaktion auf Sprechtabus.“ Menschen fühlen sich in ihrer Wortfreiheit und Meinungsfreiheit eingeschränkt, da sie es von Politikern nicht anders gewohnt sind, eine klare Meinung zu hören. Es mangelt an Politikern, die auch mal etwas Unangenehmes ansprechen oder die zumindest nicht immer nur die gewohnten 08/15 Statements von sich geben. Dieser Tendenz, mögliche Freiheiten in Wort und Schrift einzudämmen, gilt es als Liberale entschieden gegen vorzugehen. Auch wenn manche Beiträge und Aussagen Unangenehmes ansprechen, nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen oder einfach nur dämlich erscheinen, jeder Mensch sollte das Recht besitzen, seine Meinung kund zu geben. Das ist zumindest mein Verständnis von Demokratie und Freiheitsrechten.

Trump als Anti-Politiker füllt die Lücke

Genau diese Lücke füllt ein Typ wie Donald Trump aus. Eine scheinbar klar erkennbare, starke und unabhängige Persönlichkeit, die ihr eigenes Land wieder groß machen möchte, fehlt vielen in Zeiten, in denen Parteien von klein an Berufspolitiker heranzüchten und Politiker fünfmal wöchentlich in jeder Talkshow leere Phrasen und Versprechen in den Raum werfen. Jemand, der eben nicht jedes Thema des Weltgeschehens politisch korrekt bewertet, der sich nicht durch andere Parteimitglieder oder die Medienöffentlichkeit beirren lässt und der aus den eigenen Reihen kommt und der es vermeintlich von „unten“ nach „oben“ geschafft hat und den klassischen american way of life lebt. Er suggeriert in allen seinen Ansprachen, jeder könne es schaffen, wenn er oder sie es nur wollte. Somit wird ein Lebensgefühl wird zum Wahlkampfslogan.

Einer Studie der Universität Vancouver zu Folge behaupten 68% der US-Bevölkerung, Political Correctness sei ein „großes Problem“, da sich anscheinend zu viele Politiker derart uniform verhalten. Dementsprechend analysiert auch die New York Times den Wahlerfolg Trumps als Folge des Nichtbeachtens der Political Correctness. Er ziele auf den herrschenden Zeitgeist ab, wenn es sich eben nicht politisch korrekt verhält, ethnische Minderheiten diffamiert und somit durch die Schaffung eines Feindbildes Menschen vereint. Kurzum er verkörpert eine Art Anti-Politiker. In Folge dessen allerdings führt er ein politisches Amt aus, weil er eben nicht die Figur des klassischen, korrekten Politikers darstellt. Wie paradox!

Es ist also nicht direkt die Political Correctness oder eben Incorrectness, die Wahlen beeinflusst, sondern vielmehr der Umgang mit ihr. Es sind Personen, die genau wissen, wann es sinnvoll ist, sie zu nutzen und wann nicht. Auf jeden Fall gilt eines festzuhalten: Mündige und eigenständig denkende Bürger wollen nicht wie rohe Eier behandelt werden und von Politikern immer nur dieselben inhaltsleeren Phrasen hören. Schenken wir ihnen das Vertrauen, sich selber eine kritische Meinung bilden zu können. Dies sollten wir uns alle für den anstehenden Wahlkampf immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Von: Niklas Hannott