Leitet Alabama den Untergang des Trumpismus ein?

Leitet Alabama den Untergang des Trumpismus ein?

Der 12. Dezember 2017 kann durchaus mit Recht als historischer Tag betrachtet werden und in die Geschichtsbücher der Demokratischen Partei in Alabama eingehen. Der Sieg des demokratischen Kandidaten Doug Jones bei der dortigen Senatorenwahl gegen den extremen Republikaner Moore ist ein großer Triumph für die Demokraten im erzkonservativen Südstaat und ein weitreichender Erfolg über die Staatengrenze hinaus. Die ZEIT spricht sogar schon von dem „Wunder von Alabama“, während die WELT das Ende des Trumpismus herbeisehnt. Tatsächlich schlägt die Wahl auch hohe Wellen nach Washington und könnte richtungsweisend für kommende politische Inhalte, Führungsstile und Wahlen sein.

Amerika ist gespalten
Eines zeigt die dortige Wahl sehr deutlich: Die amerikanische Wählerschaft ist extrem gespalten. Dies offenbart sich unmittelbar mit einem Blick auf die Wahlklientelen der beiden Konkurrenten. Während Moore vor allem von weißen Männern (75%) und Frauen (ca. 66%) gewählt wurde und somit das klassische konservative Spektrum abdeckt, kann Jones über 90 Prozent der Stimmen der afroamerikanischen Bevölkerung auf sich vereinen. Eine größere Spaltung entlang der ethnischen Herkunft hat es bisher vermutlich nur selten gegeben. Mit der Mobilisierung der demokratischen Stammwählerschaft in urbanen Räumen, worunter viele afroamerikanische Wähler fallen, legte Jones den Grundstein für den Wahlerfolg. Der andere wichtige Faktor ist, dass Moore dies auf der anderen Seite nicht gelungen ist. Unter anderem aufgrund beleidigender und diskriminierender Äußerungen gegenüber Homosexuellen und Angehörigen einer ethnischen Minderheit sowie dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gibt es eine große Zahl innerhalb der republikanischen Wählerschaft, die eben nicht für den Fundamentalisten stimmte. Demnach ist der demokratische Wahltriumph das Resultat aus zwei elementaren Entwicklungen: Einerseits dem Erfolg Jones’, Stimmen aus unterschiedlichen Lagern und von der demokratischen Stammwählerschaft zu akquirieren. Andererseits steht dem Moore’s Niederlage gegenüber, der wohl nur bedingt von gemäßigten Republikanern gewählt wurde.

Erleichterung und Hoffnungsschimmer zugleich
Eine zweite wichtige Erkenntnis, die man aus der Senatorenwahl ableiten kann ist, dass es wohl doch noch eine vernunftorientierte und wertegeleitete amerikanische Bevölkerung geben muss, die nicht den offenkundigen frauenfeindlichen, homophoben und rassistischen Kandidaten unterstützt und die sich damit auch gegen den Politikstil Donald Trumps, der der zweiter großer Verlierer des Wahlabends ist, wendet. Es reicht demnach nicht mehr, mit inhaltsleeren Parolen in den Wahlkampf zu gehen und dabei das Ziel zu verfolgen, Verlierer der sozialen Ungleichheit als Wählerschaft zu mobilisieren. Des Weiteren scheinen nationalistische Ideale, die beide Republikaner par excellence vertreten, in weiten Teilen nicht zu überzeugen. Jeder Amerikaner und letztendlich jeder aufgeklärte Mensch sollte erleichtert darüber sein, dass Diffamierungen ethnischer Minderheiten und nationales Denken in einer globalisierenden Welt, in der Pluralismus und interkultureller Austausch elementare Charakteristika darstellen, keine Basis bilden, um Wahlen für sich zu entscheiden. Dies gilt ebenfalls für ein sehr zweifelhaftes und zu kritisierendes chauvinistisches Frauenbild, welches durch sexistische Kommentare und Handlungen gekennzeichnet ist.
Darüber hinaus verliert Trump nicht nur in Bezug auf seine Art, Wahlkampf zu betreiben, sondern auch auf persönlicher und parteiinterner Ebene. Trump hatte Moore im Wahlkampf stark unterstützt und vor etwas mehr als einem Jahr konnten die Republikaner Alabama noch mit deutlichem Vorsprung für sich entscheiden. Dementsprechend bringt dieses Ergebnis Trump selbst und seinen Politikstil parteiintern in die Bredouille. Außerdem kann zumindest für diesen Bundesstaat ein erschreckendes Zwischenzeugnis für die Präsidentschaft Trumps, die maßgeblichen Anteil an dem Resultat hat, ausgestellt werden.
In naher Zukunft wird sich zeigen, welche realpolitische Auswirkungen der Machtwechsel in Alabama auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung der gesamten USA haben wird und welche Konsequenzen in Washington gezogen werden. Im Senat besteht die republikanische Mehrheit jedenfalls nur noch aus einer Stimme. Nicht gerade ein sicheres Fundament für zukünftige Debatten und Abstimmungen. Auch die Republikanische Partei wird ihre Lehren aus der Wahl ziehen und sie werden sich fragen, wie mit dem Ergebnis umzugehen ist und wie sich die Partei in Zukunft ausrichten soll. Konkret, ob sie dem Anti-Establishment Kurs ihres Präsidenten folgen oder sich von diesem weiter entfernen soll.
Aus liberaler Sicht sollte es meiner Meinung nach sehr begrüßt werden, dass ein Vertreter des Trumpschen Politikstils und Methoden es nicht geschafft hat, die Wahl zu seinen Gunsten zu entscheiden. Herabwürdigungen, Diffamierungen und Rassismus sind definitiv keine Grundlage für ein freiheitlich-pluralistisches Zusammenleben.

von Niklas Hannott

 

Der Inhalt der Blog-Beiträge spiegelt die Privatmeinung der einzelnen Autoren wieder und ist nicht zwingend Beschlusslage der Jungen Liberalen Hessen