Eine Notaufnahme ist für alle da

Eine Notaufnahme ist für alle da

Wer mit einer Bagatelle in die Notaufnahme kommt, soll künftig für den Besuch zahlen. Soweit zu dem neuesten Vorschlag eines Ärzteverbandes, um Notaufnahmen und Ärzte zu entlasten. Sicherlich ist bei den meisten Notaufnahmen die Kapazitätsgrenze erreicht oder gar überschritten und sicherlich haben Ärzte und das Pflegepersonal einen stressigen Job. Daher wirkt auch das Rufen nach drastischeren Maßnahmen absolut verständlich. Aber reicht das als Legitimation dafür, Notaufnahmen zu einem nur eingeschränkt zugänglichen Bereich zu erklären, Menschen den Besuch zu verweigern und damit ihren Gesundheitszustand unnötigerweise zu riskieren?

Meiner Meinung nach ist diese Frage definitiv zu verneinen. Vielmehr sollten es gerade die Kassenärztlichen Vereinigungen sein, die proaktiv Systeme entwickeln, um Notaufnahmen zu entlasten. Dazu gehört beispielsweise eine stärkere Promotion für den kassenärztlichen Notdienst, der für jene Fälle ursprünglich konzipiert wurde. Einen pauschalen Beitragssatz zu erheben und somit einen negativen Anreiz zu setzen, weil man es offensichtlich nicht hinbekommt, einen funktionierenden Notfalldienst aufzubauen, kann kein ethisch verantwortbares, sozialverträgliches und nachhaltiges Instrument dafür sein, damit weniger Menschen bei akuten Beschwerden einen Arzt konsultieren.

Eine Notaufnahme ist kein Szeneclub und kein Fußballstadion. Die allerwenigsten Menschen – bekanntlich bestätigen Ausnahmen ja die Regel – besuchen sie, um unterhalten zu werden oder weil sie zu viel Langeweile haben. Sie gehen in die Notaufnahme, weil sie offensichtlich kurzfristige gesundheitliche Beschwerden haben, die sie einschränken oder bei denen die Symptomatik auch Anzeichen von schwerwiegenden Krankheiten darstellen. Ein Laie kann dabei oftmals nicht zwischen einer Bagatelle und einem ernstzunehmenden Krankheitsbild differenzieren – daher geht er oder sie ja schließlich zum Arzt. Ist das Stechen in der Brust ein Pikser oder doch ein Herzinfarkt? Sowohl Herzinfarkte als auch Schlaganfälle lassen sich leicht übersehen und können bei nicht Behandlung zum Tod führen. Es ist unverantwortbar, wenn jemand aufgrund einer monetären Gebühr davon abgeschreckt wird, einen Arzt aufzusuchen. Zumal es gerade jene mit einem vergleichsweise niedrigen sozioökonomischen Status sind, für die eine Gebühr wesentlich abschreckender wirkt als bei Patienten mit einem höheren Einkommen. Schreckt man gerade sie ab, riskiert man, dass sie bei einem echten Notfall keine schnelle Hilfe mehr suchen. Eine soziale Ungerechtigkeit auf Kosten der Sozialschwachen würde entstehen.

Aus guten Gründen wurde die Praxisgebühr auf Initiative der FDP abgeschafft. Jetzt wiederum einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen, zeugt nicht gerade von besonders viel Kreativität und Wille, eine geeignete langfristige Lösung zu finden, sondern vielmehr davon, kurzzeitig für Entlastungen zu sorgen – nur das leider auf Kosten der Gesundheit anderer. Jeder, soll selber darüber entscheiden können, in die Notaufnahme gehen zu können. Diese Wahlfreiheit durch eine Gebühr einzuschränken, ist meiner Ansicht nach ethisch nicht zu vertreten und nicht liberal.

 

Von Niklas Hannott 

 

Der Inhalt der Blog-Beiträge spiegelt die Privatmeinung der einzelnen Autoren wieder und ist nicht zwingend Beschlusslage der Jungen Liberalen Hessen